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'''Gedächtnis''' (von mittelhochdeutsch ''gedaechtnisse'', ?Andenken, Erinnerung?) oder '''Mnestik''' bezeichnet die Fähigkeit der e von , aufgenommene en umzuwandeln, zu speichern und wieder abzurufen. Beide Begriffe leiten sich ab von ''; vergleiche auch und ).

Im Gedächtnis gespeicherte Informationen sind das Ergebnis von bewussten oder unbewussten . Die Gedächtnisbildung wird dabei durch die ermöglicht. Im übertragenen Sinne wird das Wort ?Gedächtnis? auch allgemein für die Speicherung von Informationen in anderen biologischen und technischen Systemen benutzt.

Auch primitive Nervensysteme (z. B. jene von n) sind zu einfachen Lernprozessen befähigt. Komplexität und Umfang von möglichen Gedächtnisleistungen haben im Laufe der Evolution zugenommen.

Eine einzelne gespeicherte und abrufbare Information wird (Gedächtnisspur) genannt. Die Gesamtheit aller Engramme bildet das Gedächtnis.

Einteilung in verschiedene Gedächtnisarten

Die verschiedenen Gedächtnisarten können auf psychologischer Ebene nach zwei Aspekten eingeteilt werden: der ''Dauer der Speicherung'' oder der ''Art des Gedächtnisinhalts''.

Nach der Dauer der Informationsspeicherung lässt sich das Gedächtnis in verschiedene Subsysteme einteilen. Unterschieden werden üblicherweise drei Systeme:
  1. Sensorisches Gedächtnis (auch ''sensorisches Register''): Es hält Informationen für Millisekunden bis Sekunden fest (z. B. ).
  2. (auch ''''): Es speichert Informationen etwa 20?45 Sekunden.
  3. : Es speichert Informationen über Jahre.

Innerhalb des Langzeitgedächtnisses wird weiter unterschieden zwischen angeeignet.

Ein anderes Modell vertritt der .

Sensorisches Gedächtnis (Ultrakurzzeitgedächtnis)

Neue Informationen erreichen das Gehirn über die Sinnesorgane und werden im ''sensorischen Gedächtnis'' (auch ''sensorisches Register'', früher auch ''Immediatgedächtnis'', ''Ultrakurzzeitgedächtnis'' oder ''Ultrakurzzeitspeicher'' genannt) zwischengespeichert. Das sensorische Gedächtnis ist für jede spezifisch, es wird auch als für die und für die bezeichnet. Die Fähigkeit, in einem Gespräch etwas zuvor Gesagtes zu wiederholen, obwohl gerade nicht hingehört wurde, ist ein Beispiel für das auditive sensorische Gedächtnis.

Im sensorischen Gedächtnis werden weitaus mehr Informationen aufgenommen als im Arbeitsgedächtnis. Allerdings zerfallen diese auch schon nach wenigen Zehntelsekunden. Eine Möglichkeit, den Zerfall der Informationen in diesem Gedächtnissystems zu untersuchen, ist die sogenannte ''Teilbericht-Methode'' (engl. ''partial-report''), die von (1960)<ref name="Sperling 1960">G. Sperling: ''The information available in brief visual presentations''. In: ''Psychological Monographs.'' 74(11) 1960, S. 1?29.</ref> entwickelt wurde. Bei dieser werden Versuchspersonen mehrere Reihen von Buchstaben (Set) in verschiedenen Zeilen dargeboten, wovon beim späteren Abruf immer nur einzelne Zeilen wiedergegeben werden sollen. Dies soll verhindern, dass in der Zeit wo einzelne Teile aus dem Set wiedergegeben werden, die anderen vergessen werden. Wird in einem Experiment die Zeit zwischen der Darbietung des Sets und dem Hinweis, welche Zeile wiedergegeben werden soll, variiert und die Gedächtnisleistung je nach Zwischenzeit verglichen, wird ein Schätzwert für die Dauer der Speicherung erhalten. Mit dieser Methode konnte gezeigt werden, dass das visuelle sensorische Gedächtnis Informationen über etwa 15 Millisekunden, das auditorische sensorische Gedächtnis hingegen über etwa 2 Sekunden speichern kann.<ref name="Darwin 1972">C. J. Darwin, M. T. Turvey, R. G. Crowder: ''An auditory analogue of sperling partial report procedure ? evidence for brief auditory storage''. In: ''Cognitive Psychology.'' 3(2) 1972, S. 255?267.</ref>

Bei dieser Art der Erinnerung spielen zentral gesteuerte Prozesse, wie oder , meist keine bedeutende Rolle. Diese können jedoch bei der Übertragung von Information ins Arbeitsgedächtnis einen großen Einfluss haben.

Arbeitsgedächtnis/Kurzzeitgedächtnis

Grundlage bewusster Informationsverarbeitung ist das Kurzzeitgedächtnis (in einigen Modellen auch ). Das Kurzzeitgedächtnis ist ein Speicher, der eine eng begrenzte Menge von Information in einem unmittelbar verfügbaren Zustand bereithält.

Nach einer Hypothese, die als historisch überholt gilt, verfügt es über eine ungefähre Kapazität von etwa genannt (siehe dort zu neueren Erkenntnissen).

Kurzzeitgedächtnis

Ein Aspekt, der im Rahmen der Erforschung des Kurzzeitgedächtnis besondere Beachtung fand, ist das ?schnelle Vergessen?. Dieses wurde zum ersten Mal von Peterson & Peterson (1959)<ref name="Peterson 1959">L. R. Peterson, M. J. Peterson: ''Short-term retention of individual verbal items.'' In: ''Journal of Experimental Psychology.'' 58, 1959, S. 193?198.</ref> untersucht. Indem sie ihren Probanden einzelne Wörter, Wort-Triaden und Konsonanten-Triaden zeigten, auf die eine ablenkende Aufgabe (rückwärts zählen) folgte, stellten sie einen deutlichen Abfall der Speicherleistung in Abhängigkeit von der Länge der ablenkenden Aufgabe fest. Zudem machte es einen Unterschied, ob die Wörter einzeln oder in Gruppen dargeboten wurden. Einzelwörter zeigten eine deutlich geringere Vergessensrate als eine Gruppe von drei Konsonanten oder drei Wörtern. Letztere beiden unterschieden sich nicht voneinander. Murdock (1961)<ref name="Murdock 1961">B. B. Murdock: ''Retention of individual items.'' In: ''Journal of Experimental Psychology.'' 62(6) 1961, S. 618?632.</ref> bestätigte die Ergebnisse von Peterson & Peterson und konnte zusätzlich zeigen, dass die Darbietung mehrerer Dinge der gleichen semantischen Kategorie eine vorwärts gerichtete verursachte. Den Probanden fiel es umso schwerer, zwischen den Dingen zu unterscheiden, je mehr sie gesehen hatten (Listenlängeneffekt). Dies zeigte sich in einem deutlichen Abfall der Erinnerungsleistung.

Delos Wickens (1970)<ref name="Wickens 1972">D. D. Wickens: ''Characteristics of word encoding.'' In: A. W. Melton, E. Martin (Hrsg.): ''Coding processes in human memory.'' Wiley, New York 1972.</ref> konnte zeigen, dass sich die vorwärts gerichtete Hemmung aufheben lässt, wenn Probanden Wörter unterschiedlicher semantischer Kategorien präsentiert werden. Nach einem Kategorienwechsel stieg die Erinnerungsleistung wieder deutlich an. Gunter u. a. (1981)<ref name="Gunter 1981">B. Gunter, C. Berry, B. R. Clifford: ''Proactive-interference effects with television-news items ? further evidence.'' In: ''Journal of Experimental Psychology ? Human Learning and Memory.'' (7)6 1981, S. 480?487.</ref> führten drei Experimente durch, in denen sie die vorwärts gerichtete Hemmung und ihre Aufhebung nachweisen konnten. Sie ließen ihren Probanden einzelne Fernsehnachrichten unterschiedlicher Themengebiete vorsprechen, von zum Beispiel innen- und außenpolitischen Themen. Einer Gruppe wurden vier ähnliche Themen präsentiert, der anderen drei ähnliche und ein Nachrichtenpunkt aus einem anderen Themengebiet. Bei der ersten Gruppe zeigte sich die vorwärts gerichtete Hemmung im Sinne einer abfallenden Gedächtnisleistung und bei der zweiten Gruppe zeigte sich die Aufhebung der Hemmung durch den Themenwechsel. Beide Effekte konnten auch bei einer verringerten Anzahl von Dingen und bei der zusätzlichen Aufgabe, diese genau zu beschreiben, gefunden werden. Außerdem konnten die Autoren einen Lerneffekt nachweisen, wenn bestimmte Dinge bereits in einem vorhergehenden Test gezeigt worden waren. Die Probanden konnten sich dann an diese in einem zweiten Test besser erinnern. Untersuchungen zum Zeitraum des Effekts der vorwärts gerichtete Hemmung deuteten am ehesten auf die Abrufphase.

Arbeitsgedächtnis

Das ursprüngliche des Kurzzeitgedächtnisses wurde seit 1974 durch das von ergänzt, das folgende drei Systeme anführt:
  • Der ''räumlich-visuelle Notizblock'' zur kurzfristigen Speicherung visueller Eindrücke.
  • Die ''artikulatorische'' oder ''phonologische Schleife'' dient zur Speicherung von verbalen Informationen, welche durch ein inneres Wiederholen relativ lange verfügbar bleiben können.
  • Die ''zentrale Exekutive'' verwaltet die beiden Teilsysteme und verknüpft Informationen aus diesen mit dem Langzeitgedächtnis.

Zuletzt ist das Modell um einen ''episodischen Puffer'' erweitert worden.

Langzeitgedächtnis

Das '''Langzeitgedächtnis''' ist das dauerhafte Speichersystem des Gehirns. Es handelt sich nicht um ein einheitliches Gebilde, sondern um mehrere Speicherleistungen für verschiedene Arten von Information. Sie kann im Langzeitgedächtnis von Minuten bis zu Jahren gespeichert werden (sekundäres Gedächtnis) oder sogar ein Leben lang (tertiäres Gedächtnis). Über Begrenzungen der Kapazität des Langzeitgedächtnisses ist nichts bekannt. Allerdings lassen Studien bei sog. Savants (franz.) oder Einfluss von anderen, vorher oder nachher gebildeten Inhalten.

Zu unterscheiden sind verschiedene Prozesse des Langzeitgedächtnisses:
  • /: Neues Einspeichern von Information
  • Erinnern/Abrufen: Bewusstwerden von Gedächtnisinhalten
  • /Behalten: Festigung von Information durch wiederholten Abruf
  • Verknüpfen von neuen und alten Informationen
  • Vergessen: Zerfall von Gedächtnisinhalten oder Abänderung durch konkurrierende Information

Für die Überführung von neuen Gedächtnisinhalten in das Langzeitgedächtnis und das Bewahren von Information ist Üben oft förderlich, zum Beispiel durch das bewusste Abrufen und Überdenken von Information im Arbeitsgedächtnis. Die Verankerung im Gedächtnis nimmt zu mit der Bedeutung, dem alen Gewicht und der Anzahl der (Verknüpfung mit anderen Inhalten).

Formen und Inhalte des Langzeitgedächtnisses

Grundsätzlich werden zwei Formen des Langzeitgedächtnisses unterschieden, die unterschiedliche Arten von Information speichern: das deklarative (explizite) und das prozedurale . Die unterschiedlichen Informationsformen sind unabhängig voneinander und werden in verschiedenen Gehirnarealen gespeichert, so dass zum Beispiel Patienten mit einer (Gedächtnisstörung) des deklarativen Gedächtnisses ungestörte prozedurale Gedächtnisleistungen aufweisen können.

Deklaratives Gedächtnis

Das ?deklarative Gedächtnis?, auch Wissensgedächtnis, speichert Tatsachen und Ereignisse, die bewusst wiedergegeben werden können. Das deklarative Gedächtnis wird unterteilt in zwei Bereiche:
  • Das ?semantische Gedächtnis? enthält das Weltwissen, von der Person unabhängige, allgemeine Fakten (?Paris ist die Hauptstadt von Frankreich?, ?Man hat eine Mutter und einen Vater?).
  • Im finden sich Episoden, Ereignisse und Tatsachen aus dem eigenen Leben (Erinnerung an Erlebnisse bei einem Besuch in Paris, das Gesicht und der Name des eigenen Vaters).

Prozedurales Gedächtnis

Das ''prozedurale Gedächtnis'', auch ''Verhaltensgedächtnis'', speichert automatisierte Handlungsabläufe bzw. Fertigkeiten. Beispiele dafür sind Gehen, Radfahren, Tanzen, Autofahren, Klavierspielen. Dies sind komplexe Bewegungen, deren Ablauf gelernt und geübt wurde und die dann, ''ohne nachzudenken,'' abgerufen und ausgeführt werden.

Gedächtnis-Kapazität

Die Kapazität des menschlichen Gedächtnisses ist schwer zu bestimmen und hängt von der Art von Informationen ab, die gespeichert werden. So wurde geschätzt, dass jeder Mensch im Mittel etwa 5000 Gesichter anderer Menschen erkennen und damit erinnern kann.

Anatomie und Physiologie des Gedächtnisses

Im Gegensatz zu anderen Bereichen wie , , oder gibt es keinen abgrenzbaren umfassenden ?Gedächtnisbereich? im Gehirn. Vielmehr beruht das Gedächtnis überwiegend auf Zusatzleistungen anderweitig spezialisierter Teile des Gehirns. Dennoch können verschiedene anatomische Strukturen unterschieden werden, die für das Erinnerungsvermögen notwendig sind. Zuvor ist zu klären, was auf unterster Ebene, am einzelnen , das (Entsprechung) des Lernens und des Gedächtnisses darstellt.

Neuronale Lernprozesse

Der Gedächtnisinhalt ist in den Verbindungen der , PMID 11619520.</ref>

Zwischen den ungefähr 100 Milliarden Nervenzellen bestehen schätzungsweise 100 bis 500 Billionen Synapsen. Entscheidend ist hierbei die : Viele Synapsen sind anatomisch anpassungsfähig. Dadurch können sie die Effizienz der Übertragung zwischen den Neuronen verändern. Außerdem werden Übertragungseigenschaften durch Neubildung und Abbau von Synapsen angepasst.

 schlug 1949 als Erster vor, dass Synapsen ? in Abh�ngigkeit vom Ausma� ihrer Aktivierung durch Neuronent�tigkeit ? die St�rke ihrer Signalf�higkeit durch anatomischen Umbau ?dauerhaft? �ndern. Die von ihm in der sogenannten  aufgestellte Hypothese konnte experimentell best�tigt werden. So wird eine Synapse, die durch gleichzeitige Aktivit�t im vor- und nachsynaptischen Neuron st�rker wird, als ?Hebb-Synapse? bezeichnet. Eine solche dauerhafte Ver�nderung einer Synapse wird in der  als ?homosynaptische?  (Langzeitverst�rkung) bezeichnet.

Es gibt eine Vielzahl weiterer Formen synaptischer Plastizität. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Richtung (Potenzierung oder Depression, d. h. Verstärkung oder Abschwächung), in ihrer Dauer (Kurzzeit- oder Langzeitveränderung), in ihrer synaptischen Spezifität (homo- oder heterosynaptisch) sowie den molekularen Mechanismen ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung.

Es wurden verschiedene n beschrieben, die ihren Ausgang in der Erregung einer Nervenzelle durch eine bestimmte Synapse und ein daraufhin ausgelöstes nehmen und zu kurz- oder auch langfristiger Veränderung der synaptischen Effizienz führen. Solche Mechanismen umfassen kurzfristig die von ­molekülen, die Ausschüttung von retrograden (rückwärtig wirkenden) Botenstoffen für das präsynaptische (), und für die langfristige Wirkung insbesondere die Aktivierung von en, die die regulieren und zur vermehrten Synthese von Rezeptormolekülen, en für Transmitter-Auf- und Abbau und Strukturproteinen führen.

Anatomische Grobstrukturen

Den verschiedenen Arten des Gedächtnisses werden heute bestimmte Gehirnregionen zugeordnet. Die Zuordnungen konnten durch Vergleiche von Gedächtnisstörungen bei lokalisierten Schädigungen des Gehirns (etwa durch ) vorgenommen werden.

Das Arbeitsgedächtnis wird dem zugeordnet. Das Langzeitgedächtnis hingegen gründet auf einem Zusammenwirken des Cortex und zahlreicher subkortikaler Bereiche. Dabei wird zwischen den verschiedenen Informationsqualitäten unterschieden.

Deklaratives Gedächtnis

Beteiligt beim deklarativen Gedächtnis ist der gesamte Neocortex, beim episodischen Gedächtnis insbesondere der rechte Frontal- und der Temporalcortex, beim semantischen Gedächtnis speziell der Temporallappen.

Beteiligt, insbesondere beim Vorgang der Speicherung, sind jedoch auch subkortikale Regionen, wie das , vor allem das mediale Temporallappensystem, der und angrenzende Gebiete. Diese sind im sogenannten zusammengefasst. Oft zitiert wird der Fall des , dem zur Therapie schwerer beide Hippocampi entfernt wurden. Zwar wurde die Epilepsie geheilt, der Patient zeigte jedoch nach der Operation eine schwere : Er konnte sich nichts Neues mehr merken. Der Zugriff auf vor der Operation erworbene Gedächtnisinhalte war hingegen nicht beeinträchtigt.

Prozedurales Gedächtnis

Am Lernen von Fertigkeiten sind beim Menschen neben Cortexarealen, wie den motorischen und präfrontalen Gebieten, insbesondere das und die beteiligt. Für die Speicherung emotional bedeutender Gedächtnisinhalte, wie auch von Angstreaktionen, spielt die eine wichtige Rolle.

Für Formen des Lernens nach Art der , die auch bei primitiveren Tieren vorhanden sind, sind dementsprechend auch evolutionär ältere Gehirnbereiche beteiligt. Oft liegt hier der Ort des Lernens dort, wo die beiden miteinander zu verknüpfenden Reize anatomisch zusammen laufen. Insbesondere das spielt hierbei eine Rolle.

Emotion und Gedächtnis

Der Prozess, in dem das menschliche Gehirn durch Lernprozesse die Art und Weise beeinflusst, in der bestimmte Reize eine Emotion hervorrufen, wird als ?emotionales Gedächtnis? bezeichnet. Um nachzuvollziehen, welche Hirnareale und neuronalen Mechanismen an der Verarbeitung und Abspeicherung solcher emotionaler Gedächtnisinhalte beteiligt sind, wurde die klassische Furchtkonditionierung in Zusammenhang mit Läsionsstudien angewandt. Bei der Furchtkonditionierung (die meist an Ratten durchgeführt wird) wird ein neutraler Stimulus (z. B. ein Ton) mit einem aversiven Stimulus (z. B. einem Elektroschock) gepaart, was dazu führt, dass die Ratten anschließend eine Furchtreaktion auf den neutralen Stimulus zeigen. Dies kann bereits nach einer einzigen Paarung der Stimuli der Fall sein. Durch selektive en an Ratten konnte ferner festgestellt werden, welche Gehirnareale für die Ausbildung solcher Furchtreaktionen notwendig sind (s. u.).

Neuronale Grundlagen der Furchtkonditionierung

Es besteht die Annahme, dass der Schock die Art beeinflusst, wie Neurone in spezifischen Regionen des Gehirns auf den vorher neutralen Stimulus reagieren. Aus Ergebnissen verschiedener Läsionsstudien an Ratten konnten u. a. ableiten, dass sensorische Signale nicht vom Cortex verarbeitet werden müssen, damit eine Konditionierung möglich ist. Es wurde vielmehr festgestellt, dass hier das maßgebliche Areal die ist, die sowohl direkte Verbindungen zum (sensorische Bahnen) wie zum (lebenswichtige Grundprogramme) aufweist.

Eine Region innerhalb der Amygdala ist der zentrale Nucleus, der sowohl mit dem Hirnstamm als auch mit dem Hippocampus verbunden ist. Der Hippocampus ist eine wichtige Struktur für die Gedächtniskonsolidierung und die Verarbeitung komplexer Stimuli. Die Annahme ist nun, dass durch diese Verbindung Gedächtnisinhalte und der Kontext eines Stimulus emotionale Zuordnungen bekommen.

Es bestehen auch Verbindungen zwischen Cortex und Amygdala. So wird angenommen, dass emotionales Lernen zum einen auf dem subcorticalen Weg (vom Thalamus direkt zur Amygdala) und zum anderen auf dem corticalen Weg (vom Thalamus über den Cortex zur Amygdala) stattfinden kann. Der subcorticale Weg geht ?schneller?, beinhaltet jedoch keine weitere Verarbeitung des Stimulus (da bewegt sich etwas ? ich fürchte mich). Der corticale Weg verarbeitet den Stimulus umfangreicher (was sich da bewegt ist eine Schlange ? die kann mich beißen ? ich entferne mich besser), erfordert allerdings ?längere Reaktionszeit?, die in manchen Situationen zu lang sein könnte, weshalb sich der schnellere subcorticale Weg evolutionsbiologisch ? bis hin zum Menschen ? erhalten hat.

Anwendungsfelder der Gedächtnisforschung

Augenzeugenberichte

In Gerichtsverfahren sind Zeugenaussagen von großer Bedeutung, insbesondere wenn sie die wichtigste ? oder gar die einzige ? Entscheidungsgrundlage sind. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie verlässlich Erinnerungen von Zeugen sind. Situationen, in denen Menschen eine Straftat miterleben, sind Situationen, die nicht erwartet werden, oft nur von sehr kurzer Dauer und meist sehr emotionsbeladen sind. Aufgrund der Charakteristik dieser Situationen ist es besonders leicht, die Erinnerungen an sie durch zusätzliche Information, zum Beispiel bei Befragungen, zu verfälschen. Loftus u. a. (1978) zeigten Probanden eine Bildersequenz, in der ein Auto einen Fußgänger anfährt, nachdem es entweder ein Stopp- oder ein Vorfahrt-gewähren-Schild passiert hat. In einem nachfolgenden Fragebogen wurde entweder ein Stopp- oder ein Vorfahrt-gewähren-Schild erwähnt. Durch diese nachträgliche begriffliche Lenkung konnten die Forscher erreichen, dass die Gruppe von Probanden, die eine widersprüchliche Frage erhielt, sich bei einem Wiedererkennungstest eher für das Schild entschied, das ?nach originaler Bildersequenz? und ?vor Erinnerungstest? in dem dazwischen vorgelegten Fragebogen erwähnt worden war.

Obwohl es möglich sein könnte, dass die Erinnerung an Gesichter verlässlicher sein sollte, besonders wenn diese im Zentrum des Geschehens standen, konnten Loftus und Greene (1980) zeigen, dass auch diese leicht zu verfälschen ist. Hierzu zeigten sie in mehreren Experimenten Probanden Gesichter von Menschen und setzten sie in Form von nachfolgenden Fragen oder Berichten falschen Informationen aus. Bei einem dieser Experimente zeigten sie ihnen einen Mann ohne Bart und gaben einem Teil der Probanden später die falsche Information, dass die Zielperson einen Bart habe. Die Gruppe von Probanden mit der falschen Information tendierte viel eher dazu, sich bei einem Wiedererkennungstest für eine Person mit Bart zu entscheiden, als die Gruppe mit dem richtigen Bericht (p<0,01). Insgesamt konnten Loftus u. a. zeigen, dass bei Zeugen auch die Erinnerung an Gesichter unbemerkt und nachhaltig verfälscht werden kann.

Zusammen zeigen diese Ergebnisse, dass Erinnerungen nicht verlässlich und leicht zu verfälschen sind. Deshalb ist es wichtig, dass bei polizeilichen Ermittlungen, wie Befragungen und Gegenüberstellungen, sowie in Gerichtsverfahren mit äußerster Vorsicht vorgegangen wird. Siehe auch .

Gedächtnistraining und Sport

Gedächtnistraining ist in vieler Hinsicht möglich. Es gibt zahlreiche Gedächtnistrainer und zahllose Bücher. Meist bauen diese auf en auf. Die berühmteste ist die . Heutzutage gibt es auch Gedächtnissportler, Gedächtnissportmeisterschaften und eine Weltrangliste. Der Weltrekord im , also Auswendiglernen, möglichst vieler Ziffern in 5 Minuten liegt beispielsweise bei 520.

Krankheiten

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Gruber: ''Gedächtnis'' (Basiswissen Psychologie), Springer 2018, ISBN 978-3-662-56361-8.
  • : ''Das Gedächtnis: Entwicklung, Funktionen, Störungen'', Beck 2009, ISBN 978-3-406-56260-0
  • David Tobinski: ''Kognitive Psychologie: Problemlösen, Komplexität und Gedächtnis'', Springer 2017, ISBN 978-3-662-53947-7
  • : ''Das kommunikative Gedächtnis: eine Theorie der Erinnerung''. Beck, 4. Aufl., München 2017, ISBN 978-3-406-70228-0.
  • : ''Denken, Lernen, Vergessen'' (zuerst 1975), dtv, 37. Aufl. (Klassiker!), München 2017, ISBN 978-3-423-33045-9.

Weblinks

  • : 7. August 2018

Einzelnachweise